Wolfram Graf denkt Wagner weiter: eine DVD des Hofer Komponisten

Die DVD beginnt mit einem Blick auf Haus Wahnfried, Richard Wagners stattliche Residenz. In ihr wird Musik gemacht, Musik von heute, aber Musik von heute, in der Wagner eine wichtige Rolle zukommt. Bei jedem der Werke hat der zeitgenössische Komponist Wolfram Graf (Jahrgang 1965) seine Hand im Spiel: als Tonsetzer und als Pianist. Graf musiziert am Flügel Richard Wagners. Er wurde ihm 1876 von Steinway geschenkt und steht im Bibliothekszimmer der Villa, hier trafen sich die großen Musiker der Zeit. Es ist Schauplatz dieser DVD.

„In Parsifals Land“ von Wolfram Graf ist für Flöte und Klavier geschrieben. Hier spielt er mit Hörerwartungen: Themen aus „Parsifal“ werden angerissen, aber dann nicht zu Ende geführt. Wagners sanfter Klangzauber und der Streicherglanz werden angedeutet. Wolfram Graf denkt auf seine Weise Wagner weiter. Martin Seel ist der Flötist, Mitglied der Hofer Sinfoniker und seit langem ein Partner Grafs.

Bei „Geheimnisvoller Ort“ sitzt der Komponist Graf selbst am Flügel. Klotzige dissonante Akkorde und feine, betörende impressionistische Figuren treffen aufeinander. Dazu sieht man als Bildeinspielung Wagners Grab im Garten von Wahnfried. Ist das der „geheimnisvolle Ort“? Nein, Graf meint eher die Gralswelt. Der Untertitel des Werks: „Lohengrin-inspirierte Gedanken zur Grals- und Klingsor-Welt“.

Den Opernzauberer Wagner entdeckte Wolfram Graf als junger Mann: „An die erste Wagner-Oper erinnere ich mich genau: Es war der berühmte Solti-Ring, den ich als Aufnahme hörte und der mich enorm faszinierte und mich für Wagner gewissermaßen öffnete. Seitdem beschäftige ich mich mit ihm, das war 1988.“ Zuvor hatte er Wagner- Transkriptionen auf dem Klavier gespielt. Wagners Musik ist für ihn Neue Musik. Graf lehrt auch Komposition: an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik in Bayreuth. Werke von ihm wurden von Ensembles wie dem Mandelring Quartett oder dem Gewandhausorchester Leipzig uraufgeführt.

Graf, der auch als Schriftsteller tätig ist, hat zu jedem Werk auf der DVD eine persönliche Einführung geschrieben, die den den Zugang erleichtert. In Wagners „Parsifal“, seinem letzten Musikdrama, wird ein ganz neues Instrument eingesetzt: die „Gralsglocke“. Sie kann nur vier Töne produzieren. Dafür hat Graf mehrere phantasievolle „Intermezzi“ geschrieben, in denen ein expressives Saxophon und ein Klavier die Töne der „Gralsglocke“ anreichern. Diese Zwischenspiele sind Grafs Opus 222. Besonders klanggewaltig wirkt das zweite Intermezzo. Es ist auch „Mächtig und kraftvoll“ überschrieben. Wenn man diese Musik Grafs hört, denkt man immer auch an „Parsifal“. Er klingt mit. Graf ist der erste Komponist nach Wagner, der sich der Herausforderung stellt, für die „Gralsglocke“ ein Werk zu schreiben. Grafs Musik ist unwahrscheinlich ideenreich.

Wolfram Grafs Bearbeitung von Wagners „Siegfried-Idyll“ ist ein Repertoire-Gewinn. Ganz neue Farben sind hier zu hören. Geschrieben wurde die Transkription für das exzellente Saxophon-Quartett „clair obscur“ aus Berlin. Am Klavier sitzt Wolfgang Döberlein, Rektor der Hochschule für Evangelische Kirchenmusik in Bayreuth.

Man kann das filigrane Linienwerk der sinfonischen Dichtung gut verfolgen. Wagner verwebt hier kunstvoll und atmosphärisch dicht Motive aus seinem „Ring“. Ein guter Einstieg in Wagners Welt. Für Friedrich Nietzsche gehörte das „Siegfried- Idyll“ „zu dem Allerschönsten was es gibt“.

Grafs Resümee: „Die DVD ist ein Höhepunkt meiner Bayreuther Aktivitäten.“

Wolfram Graf: Wagner Impressionen. Audiotransit, 2017. Etwa erhältlich bei jpc.

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