Wie schön leuchtet diese Musik! Martin Stadtfeld hat dem jungen Bach ein ganzes Album gewidmet, geht aber dabei über Bach hinaus.
Es beginnt mit „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ und endet in der Gegenwart: mit Stefan Heuckes (Jahrgang 1959) Choralvorspiel „Wer nur den lieben Gott lässt walten.“ Das Neumark-Lied hat Bach immer wieder beschäftigt.
Bach begleitet Stadtfeld schon lange. 2002 erhielt der 21-jährige den ersten Preis beim Internationalen Johann-Sebastian- Bach-Wettbewerb in Leipzig. Seitdem ist er immer wieder mit Bachalben hervorgetreten.
Schattierungsreich, auf mehreren Ebenen entwirft Stadtfeld „Wie schön leuchtet der Morgenstern“.
Stadtfeld kann den Flügel betörend schön klingen lassen, aber auch reich wie eine Orgel. Toccata und Fuge in d-Moll BWV 565 sind ja ein spektakuläres Orgelwerk des jungen Virtuosen. Der frühe Bach beginnt auf erstaunlichem Niveau, er hatte das Zeug zum konkurrenzlosen Orgelartisten. BWV 565 ist wohl das bekannteste Orgelwerk überhaupt.
Stadtfeld zieht in der Tat alle Register. Er verfügt über eine große Anschlagsbandbreite.
Die erwähnte Toccata BWV 565 lässt er klirren, die anschließende Fuge dagegen leuchtet weich und steigert sich zu orgelhafter Fülle. Nach 30 Sekunden erlebt man eine wunderbare Wendung, die Stadtfeld auskostet.
Das längste Werk des Albums ist mit über 15 Minuten Spieldauer die Passacaglia c-Moll. Wikipedia: „Wahrscheinlich ein recht frühes Werk, ist es eine seiner wichtigsten und bekanntesten Kompositionen und hatte einen entscheidenden Einfluss auf Passacaglien des 19. und 20. Jahrhunderts.“ Stadtfeld schwelgt in der Vielstimmigkeit. Eine Passacalgia oder Chaconne baut auf einer immer gleich bleibende Basslinie auf. Bachs Passacaglia stößt bis in die höchsten Regionen des Flügels vor.
Bachs „Capriccio über die Abreise des geliebten Bruders“ BWV 992 ist ein Stück Programmmusik, entstanden vor 1705. Gemeint ist vielleicht die Abreise aus Lüneburg 1702. Die Schlussfuge wäre ein bemerkenswertes Werk für einen 17jährigen, sie übertrifft die Fugen der norddeutschen Schule. Stadtfeld spielt das konzentriert und ausdrucksvoll.
Am Ende des Programms steht das bereits erwähnte Choralvorspiel „Wer nur den lieben Gott lässt walten“, von Stefan Heucke. Er orientiert sich an Bachs Choralvorspielen.
Stadtfeld erweist sich hier als Meister der leisen Töne.
Martin Stadtfeld: Wie schön leuchtet der Morgenstern – Der junge Bach, Sony 2014
