Stürmischer Jazz mit Anke Helfrich

Es ist lange her, aber ihr Spiel prägte sich ein: Als Anfang November 2010 die 16. Aidlinger Jazztage eröffnet wurden, saß eine grazile Frau am Flügel, die auf bemerkenswerte Weise Akzente setzte, durch vieldeutige Harmonik und markantes Spiel. Nie hatte man das Gefühl, dass hier eine junge Dame als Randfigur mitmischte. Nach wenigen sich reibenden, harmonisch interessanten Akkorden war klar: gefällige Glätte, freundliches Mainstream-Geplauder sind ihre Sache nicht. Ihr Spiel besitzt eine klare Physiognomie, ein kantiges Profil und ist unverwechselbar. Das trägt ihr den Respekt großer Jazzer ein, die sie immer wieder zu gemeinsamem Musizieren einladen, etwa Nils Landgren, der große Posaunist aus Schweden. Auch der Startrompeter Roy Hargrove war beeindruckt: „Wow, Anke! Eine hochtalentierte Pianistin und Komponistin. Ich war völlig erstaunt.“

Schon ihr Album „You´ll see“ wurde in den höchsten Tönen gelobt. Hier ging eine junge Klaviervirtuosin ihren eigenen Weg.

Ihre Qualitäten kann man auch auf einer anderen CD erleben, die den Titel „Stormproof“ („sturmfest“) trägt und einen ganz eigenen Sound entfaltet. Ein Monk-Titel steht am Anfang: „Hackensack“. Das ist verwinkelte Musik die flackernd, lakonisch, quecksilbrig gespielt wird. Thelonious Monk, der große Neuerer, ist für Anke Helfrich eine Art Vaterfigur. Seine Kompositionen waren so eigenwillig wie sein Klavierspiel. Monk gilt „als einer der großen Individualisten und bedeutenden Innovatoren des Modern Jazz“ (so bringt es Wikipedia auf den Punkt).

Entdeckt hat Anke Helfrich ihn in ihrer New Yorker Zeit. Auch ihr Spiel hat viel Unruhiges, Aufsässiges, Subversives, sie arbeitet mit Pausen, Andeutungen, Aussparungen. Ein weiterer wichtiger Komponist ist Kurt Weill, der mit zwei Titeln vertreten ist. Helfrichs Favorit ist das Stück „Stormproof“. „Mir gefällt das Stück besonders, weil da so viel spontan entstanden ist. Die Kollektivimprovisation ist besonders spannend.“ Das Trio harmoniert tatsächlich glänzend. Als Gast fügt sich Posaunist Nils Wogram ins Ensemble ein.

Auf der CD befinden sich zehn Stücke, alle tragen englische Titel, mit einer Ausnahme: Der vierte Song hat einen deutschen Namen und ist unübersetzbar: „Sehnsucht“. Steckt in dieser kantigen Jazzpianistin am Ende eine Romantikerin? „Die Melodie von „Sehnsucht“ ist nicht unbedingt typisch für mich“, sagt Anke Helfrich. „Aber wie jedes Stück auf der CD hat es eine Facette von mir. Ich hoffe, man erkennt mich in jedem Stück wieder!“

Anke Helfrich ist Jazzdozentin in Mannheim (Hochschule für Musik und Darstellende Kunst) und Frankfurt (Dr. Hoch´s Konservatorium), aber ihr Spiel hat nichts Dozierendes oder Akademisches, sondern ist stürmisch-eigenwillig. Deshalb wurde sie schon öfter ins Schloss Deufringen eingeladen. Nicht nur der Titel der CD verweist auf Stürmisches. Diese ganze CD versetzt in Unruhe.

Anke Helfrich Trio: Stormproof. Anke Helfrich (p), Henning Sieverts (b), Dejan Terzic (dr). Feat. Nils Wogram (tb). Enja, 2009

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