Eine Liebeserklärung an die Liebesgeige

Paul Hindemith war ein Meister der Viola d´amore, der sogenannten „Liebesgeige“. Der berühmte Komponist versuchte, diesem besonderen Instrument Geltung zu verschaffen. „Ich habe einen neuen Sport“, schreibt er im Jahr 1922, „ich spiele Viola d´amour, ein ganz herrliches Instrument, das ganz verschollen ist, und für das nur eine ganz kleine Literatur besteht. Das Schönste, was Du Dir an Klang vorstellen kannst; eine nicht zu beschreibende Süße und Weichheit. Es ist heikel zu spielen, aber ich spiele es mit großer Begeisterung und zur Freude aller Zuhörer.“ So weit Hindemith in einem Brief an eine Freundin.

Dieses Zitat steht am Anfang von Gunter Teuffels Booklet-Text zu seiner Hindemith-CD. Kenntnisreich schreibt er darin über die Geschichte der Viola d´amore.

Gunter Teuffel ist seinerseits ein Meister der „Liebesgeige“. Er entlockt ihr einen edlen, silbrigen Klang. Teuffel war von 1982-2021 Solo-Bratschist des SWR Symphonieorchesters (zur Zeit der CD-Produktion noch RSO Stuttgart des SWR). Außerdem ist er Bratschenprofessor an der Musikhochschule Stuttgart.

2013 ist er mit einer schönen, ungewöhnlichen CD hervorgetreten. Im Mittelpunkt steht die Viola d´amore. Diese Silberscheibe ist geradezu eine Liebeserklärung an sie. Die Viola d´amore war in der Barockzeit ein beliebtes Altinstrument. Sie besitzt mehr Saiten als die normale viersaitige Viola: 5-7 Griffsaiten aus Darm, unter dem Griffbrett verlaufen etwa genau so viele metallene Resonanzsaiten. Nobel lässt Teuffel dieses Instrument klingen. Paul Hindemith spielt Teuffel auf der Viola d´amore aus dem Besitz von Paul Hindemith. Authentischer geht’s nicht. Vier markante Werke hat er für sein Album ausgewählt.

Eröffnet wird das Programm mit der Partita für zwei Violen d´amore und b.c. von Heinrich Ignaz Franz Biber. Gewandt und betörend schön musiziert Teuffel hier, zusammen mit seiner Ehefrau Annette Schäfer, beiden merkt man die enorme Freude am Spiel an. Es folgt die D-Dur-Sonate von Carl Stamitz (schon sein Vater war ein Virtuose auf der Viola

d´amore), mit einem intensiven dritten Satz und einem schmissigen Finale. In der Partita und der Sonate stammt die Generalbassaussetzung von Paul Hindemith.

Höhepunkt der CD ist die Kammermusik Nr. 6 für Viola d´amore und kleines Kammerorchester von Paul Hindemith.

Teuffel hat bedeutende Musikerkollegen um sich versammelt. Am Cembalo sitzt Jörg Halubek. Gaby Pas-van Riet übernimmt die Flötenstimme. Sie ist Soloflötistin im SWR Symphonieorchester. Mit dabei ist auch der stellvertretende Solo-Cellist des Orchesters, Marin Smesnoi. Diese Kammermusik ist herbe Kunst, auch wenn die Viola am Anfang singen darf. Hindemith und mit ihm Gunter Teuffel lässt die Viola d´amore äußerst reich klingen, zeigt ihre Facetten. Zur Freude aller Zuhörer.

Paul Hindemith: Works for Viola d´amore, Gunter Teuffel, Viola d´amore. Hänssler Classic, 2013.

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