Ein Meilenstein der Schallplattengeschichte: Maria Callas´ „Tosca“ von 1953

Vor 70 Jahren erschien eine legendär gewordene „Tosca“ mit Maria Callas in der Hauptrolle, ihr zur Seite stand der bedeutende Giuseppe di Stefano, einer der großen Tenöre des 20. Jahrhunderts. Für manchen Opernfan ist es die Aufnahme für die einsame Insel. Die Callas singt anrührend, mit ausgefeilter Technik und sicheren Spitzentönen. Die große Darstellerin gestaltet ein eindringliches Rollenporträt. Von Anfang an steuert das Orchester der Mailänder Scala unter Victor de Sabata glühende Farben bei.

Callas hat gerne starke, aber auch zerrissene Frauenfiguren verkörpert. 1953 befand sich die 29-Jährige auf der Höhe ihrer Kunst, ihre Stimme klingt wunderbar. Sie ist eine Naturgewalt. Ausdruck geht ihr über alles. Höchst intensiv und berührend singt die Callas das „Ich kam traurig hierher, um ihm zu sagen, dass heute Abend der Himmel sich vergeblich verdunkelt, die liebende Tosca ist eine Gefangene.“

Produziert wurde dieser Meilenstein der Schallplattengeschichte von Walter Legge, zu seiner Zeit einer der mächtigsten Männer der Musikszene. Die „Tosca“ mit der Callas war sein lang gehegter Traum. Bis zu diesem Zeitpunkt hat er schon drei Opern mit der Callas eingespielt, alle von Tullio Serafin dirigiert. Jetzt setzte Legge auf Victor de Sabata. „Serafin bewunderte die Sängerin, de Sabata legte sich mit ihr an und hatte mit Macbeth bewiesen, dass dieser Kampf sie zu Höchstleistungen anspornte.“ (Eva Gesine Baur in ihrer Callas-Biographie). Victor de Sabata zollte seinem Star am Ende Tribut: „Wenn die Leute wüssten, wie tief und äußerst musikalisch Maria Callas ist, sie wären fassungslos.“ Die Aufnahmen fanden in der leergeräumten Mailänder Scala statt. Hier war es angenehm kühl, draußen heißer August.

Walter Legge war am Ende des Projekts mehr als zufrieden: „Das Resultat stellt alle früheren Versuche, italienische Oper aufzunehmen, in den tiefsten Schatten – sowohl künstlerisch als auch technisch.“ Die Aufnahme ist eine Sternstunde, sie gilt auch noch nach 70 Jahren als Jahrhundertaufnahme, jeder Callas-Fan besitzt sie. Sie ist aber auch etwas für alle, die mit Callas´ Kunst noch nicht so vertraut sind. Wer sich die CD nicht kaufen möchte, findet die Aufnahme auf YouTube.

Giacomo Puccini: Tosca. Maria Callas, Giuseppe die Stefano, Tito Gobi, Orchester und Chor der Mailänder Scala, Victor de Sabata. Warner, 1953.

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