Die leise Kunst einer makellosen Stimme: Laura Kipps neue CD

Laura ist eine Grenzgängerin, sie bewegt sich zwischen Pop und Jazz, zwischen Süddeutschland und Paris. Eigentlich heißt sie Laura Kipp, aber sie tritt als Laura auf. Klingt irgendwie persönlicher und mondäner. Ihre Debüt-CD „Quiet Land“ aus dem Jahr 2021 wurde von der Kritik gefeiert. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, die sich mit dem zweiten  Album verbinden.

Die neue CD knüpft an die Debüt-CD an, ohne diese zu übertreffen. Ein weiteres Mal fällt die leise Kunst einer makellosen Stimme auf. Die Vokalistin besitzt kein ozeanisches Organ wie manche Jazz- oder Popdiva, ihre Stimme klingt licht und leicht, sie singt schlank und subtil, oft poetisch. Die facettenreiche Musik stammt von Jens Loh, dem Bassisten und Gitarristen der CD, die Sängerin verlässt sich also nicht auf altgediente Standards wie es Diana Krall tut. Die Texte hat Laura Kipp selbst verfasst.  Wieder hat sich Laura mit vielen hochkarätigen Musikerinnen und Musikern umgeben, insgesamt vierzehn Instrumentalisten kommen zum Zug. Sie sorgen für klangliche Abwechslung und musikalische Farbigkeit. 

„Sunset balcony“ lautet der Titel des Albums.  Dieser Song steht ganz am Anfang der CD, ein sehnsüchtiger Zug geht durch diese Musik,  In dieser ersten Ballade fallen die Motivwiederholungen auf.  Sparsamer, ökonomischer Umgang mit dem Material kennzeichnet auch viele andere Songs.

 Mit den ersten Klaviertönen ist die Stimme da. Ihre Spitzentöne sind gehaucht. Das zweite Stück wird von der Trompete eingeleitet, die auch später immer wieder Akzente setzt. Laura steuert sparsamen Gesang bei. Der dritte Titel ist einer der schlichtesten und schönsten:  „Narcis“ wird verträumt gesungen. Hier wird Lauras Stimme ergänzt vom dunkleren Timbre Carles Denias.

 Ihr Singen wirkt immer etwas unterkühlt, aber der vierte Titel klingt expressiv, hier geht die Sängerin aus sich heraus, mit geschliffenen Spitzentönen.

Nr. 6,  „Forever In A Blink“,  erlebt man magisch versunkenes Singen. Manchmal ist die Stimme interessanter als die Musik.

„Grain Of Salt“ wird von Streichern eingeleitet, und Lauras Stimme klingt so weich und warm wie eine Geige, dabei lupenrein.

 „Hey, You“ gestaltet  eine aufgeweckt agile Stimme. So zeigt jede Komposition eine andere Facette von Lauras  außergewöhnlicher Stimme.

Die letzte Nummer ist eine Komposition aus Lauras Feder: „Promise Me“. Es ist mit über vier Minuten das längste Stück des Albums.  Am Anfang flüstert Laura. Diese Musik nähert sich dem Pop.

  Wie hat sie im vierten Titel des Albums gesungen? „Oh, I Could Write A Book“. Laura, die so vielseitige Interessen hat, hat also etwas zu erzählen. Wird sie tatsächlich einmal ein Buch schreiben? Zuzutrauen wäre es ihr.

Laura: Sunset Balcony: Laura Kipp (voc) Jens Loh (b,g), William Lecomte (p, kb), Eckhard Stromer (dr) u. a., GLM

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