Bachs „Goldberg-Variationen“ in neuem Gewand

Kein Komponist wird so gerne und häufig bearbeitet wie Johann Sebastian Bach. Seine Musik wird auf die Trompete oder die Gitarre übertragen, auf die Panflöte oder das Vibraphon. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Auch die Jazzer haben Bach längst für sich entdeckt. Bach, hört man gelegentlich, sei der erste Jazzer der Musikgeschichte. Auf jeden Fall ist er ein Universalist. Er machte sich Gedanken zum Wesen der Musik. Auf dieser spannenden CD erscheinen Bachs imposante “Goldberg-Variationen“ in ganz neuem Gewand: Ein Akkordeon spielt die 30 Variationen, der Klang erinnert gelegentlich an die Orgel. Denis Patkovic ist ein Akkordeonvirtuose mit großem Einfühlungsvermögen. Er ist 1980 im württembergischen Calw, der Hesse-Stadt, geboren, seine Wurzeln liegen aber im ehemaligen Jugoslawien, wo das Akkordeon enorm populär ist.

In seiner Akkordeon-Version der „Goldberg-Variationen“ hat Patkovic keine Note verändert. Er unterstreicht die Vielgestaltigkeit. 200 Jahre Musikgeschichte sind in dieses gewaltige Variationenwerk aus dem Jahr 1741 eingegangen.

Glenn Gould, Murray Perahia, Evgeni Koroliov haben bedeutende Aufnahmen vorgelegt, allerdings auf dem modernen Konzertflügel. Wie setzt man sich von der Flut an guten Einspielungen ab? Diese Aufnahme besticht durch eine zündende Idee: Unterbrochen werden die Bachvariationen durch Musik unserer Zeit, durch ganz neue Stücke des 1948 in Helsinki geborenen Komponisten Jukka Tiensuu, „eine Brücke zwischen Bach und heute“, wie es der Solist nennt. Nach den zeitgenössischen Kompositionen kommen die altvertrauten „Goldberg-Variationen“ wie aus einer anderen Welt. Nr. 18 erinnert an Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“. Nummer 20 vernimmt man im Diskant Vogelgezwitscher, einer von vielen Klangeffekten. Die vielgestaltigen Tiensuu-Stücke, manche berühren die Atonalität, können auch für sich stehen.

Die „Aria“ spielt der Solist mit ganz eigenem Rhythmus. Das Akkordeon unterstreicht die Vielstimmigkeit der Musik. Bei Bach kehrt die Musik am Ende zum Anfang zurück, noch einmal erklingt die „Aria“ Auf der Patkovic-CD endet die Variationenfolge mit einem lakonischen, toccatahaften Schlussstück von Tiensuu. Es ist die 45 Nummer. Auf dieser CD sind die „Goldberg-Variationen“ neu zu entdecken.

Johann Sebastian Bach/ Jukka Tiensuu: Goldberg Variations. Denis Patkovic, Accordion. Hänssler Classic, 2009.

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