Aziza Mustafa Zadehs Feuer

Vor 30 Jahren ist dieses aufregende Album von Aziza Mustafa Zadeh erschienen, jetzt wurde es wiederveröffentlicht: „Dance of Fire“, „Feuertanz“. Damals war die Pianistin 25 Jahre alt. Als 17jährige gewann sie den Thelonious-Monk-Wettbewerb in Washington D.C.. Damit begann eine bemerkenswerte Karriere. Wikipedia: „Aziza Mustafa Zadeh trat bereits als kleines Kind öffentlich auf und begleitete ihren Vater. Sie erhielt eine klassische musikalische Ausbildung am Konservatorium Baku und nahm klassischen Klavierunterricht. Bereits früh entwickelte sie ein ausgeprägtes Improvisationstalent und eine positive Beziehung zum Jazz.“

In der klassischen Abschlussprüfung musste Aziza Bach spielen. Sie hielt sich am Anfang an die Noten, dann entfernte sie sich von ihnen und ging eigene Wege, sie improvisierte im Stil Bachs. Die Prüfer werden sich gewundert haben. Auch in ihren Konzerten geht sie eigene Wege,streut etwa ein Beethoven-Zitat ein und spielt mit ihm.

Im Dezember 1969 kam sie in Baku zur Welt. Ihr Vater war ein Jazzvirtuose, er starb kurz vor ihrem zehnten Geburtstag. Heute lebt sie mit ihrer Mutter, die auch ihre Managerin ist, in Mainz. Von ihrem Vater erzählt sie in ihren Konzerte viel. Sein Erbe will sie weitertragen. So lautet das vielschichtige letzte Stück des „Dance of Fire“-Albums „Father“. Schon er verbindet die traditionelle aserbaidschanische Folklore mit westeuropäischer Konzertmusik. Der Stil ihres Vaters kommt gelegentlich dem Chopins nahe

 Diese Fusion führt die Tochter weiter: Sie verbindet auf stupende Weise den Jazz mit der westeuropäischen Klassik und der aserbaidschanischen Improvisationsmusik Mugam.

Im „Jazzbuch“ schreibt Günter Huesmann über ihre Konzerte: „Es sind pianistische Brillantfeuerwerke voller Herz und Seele.“ Ein Filmporträt der Pianistin trug den Titel „Princess of Jazz“. So wird sie heute noch gelegentlich bezeichnet. „Prinzessin auf der Erbse“ nannte sie der Jazzprofessor Joe Viera, der sie schon bei seinem Jazzfestival in Burghausen zu Gast hatte. Manche Kritiker nehmen Anstoß an der „bizarren Selbstinszenierung“ (so Günter Huesmann) der Pianistin.

Schon das erste Stück, „Boomerang“, besticht durch melodiösen Charme und kraftvolles, prägnantes Klavierspiel. Daran schließt sich „Dance of Fire“ an, eher meditative Musik im Vergleich zum vitalen Eröffnungsstück. Es ist kein wilder, sondern ein verhaltener, vielfarbiger Tanz. Aber das Feuer spürt man.

In „Sheherezadeh“ taucht die Pianistin in arabische Klänge ein. Man denkt hier an die Welt von „Tausendundeiner Nacht“. Das kann den Hörer verzaubern.

„Aspiration“ ist ein flottes, gradliniges, zügiges Stück, mit einem knappen knackigen Thema, die Musik schraubt sich in die Höhe, die wirbelnde Gitarre (Al Di Meola) schaltet sich ein.

Im fünften Titel „Bana Bana Bel“, mit über 12 Minuten Dauer der längste des Albums, kommt ihre intensive Stimme zum Einsatz. Alle Kompositionen stammen von der Pianistin. Aziza Mustafa Zadehs Phantasie scheint unerschöpflich.

In „Dance of Fire“ hat Mustafa Zadeh hochkarätige Jazzer, eine Startruppe um sich versammelt: Bill Evans steuert auf seinem Saxophon ekstatische Soli bei, am Schlagzeug sitzt der unerschütterliche Omar Hakim. Stanley Clarke setzt am Akustikbass Akzente.

Es ist schwereloser, eingängiger Jazz. Wen diese flammende Musik nicht elektrisiert, dem ist nicht mehr zu helfen. Dieses Album aus dem Jahr 1995 ist nun wieder erhältlich, etwa bei „jpc“.

Aziza Mustafa Zadeh: Dance of Fire. Aziza Mustafa Zadeh (p, voc), Bill Evans (ss, ts), Al Di Meola (g), Stanley Clarke (b), Omar Hakim (dr). Sony, 1995

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