Die letzte CD des Henschel Quartetts stammt aus dem Jubiläumsjahr 2019. Da feierte das Ensemble sein 25jähriges Bestehen. Zwei Perlen der Kammermusik sind auf dem Album versammelt: das „Forellenquintett“ von Franz Schubert und das Oktett von Felix Mendelssohn Bartholdy. Am Klavier sitzt Gerold Huber: Er hat sich dem Kunstlied verschrieben und ist als Dozent viel beschäftigt: Seit 2012 ist Huber Professor für Liedbegleitung an der Hochschule für Musik Würzburg und leitet zudem Meisterklassen z .B bei den Schwetzinger Festspielen, der Yale University und dem Aldeburg Festival. Seit März 2022 lehrt Huber auch als Professor für Liedgestaltung an der Hochschule für Musik München. Aus München kommen auch die übrigen Musiker dieses Albums. Sehr schattierungsreich begleitet Huber das Henschel Quartett. Man hört: Gerade in der unerschöpflichen Welt Schuberts ist Huber zu Hause. Mit den Streichern tritt er in einen aufregenden Dialog. Am Kontrabass musiziert prägnant Alexandra Hengstebeck, die im Orchester der Bayrischen Staatsoper engagiert ist. Sie ist auf jeden Fall eine Verstärkung. Filigran und expressiv wird das Schubert-Quintett von den fünf Musikern gestaltet. Sie bescheren viele Glücksmomente.
Für das Mendelssohn-Oktett haben sich die Henschels mit dem Diogenes Quartett zusammen getan, das 1998 gegründet wurde und damit vier Jahre jünger als das Henschel Quartett ist. Beide Ensembles können also bei diesem Projekt eine große Erfahrung einbringen. Wie das Henschel Quartett hat das Diogenes Quartett seinen Sitz in München. Das berühmte Oktett ist der Geniestreich des 16jährigen Mendelssohn. Für das luftige, quirlige Scherzo ließ er sich von Goethe inspirieren. So ist das Oktett ein „geistes- und musikgeschichtliches Dokument ersten Ranges für das Berlin des Idealismus“, schreibt der Kammermusikführer „Villa Musica“.
Die beiden Streichquartette harmonieren perfekt. Die acht Musiker gehen aufs Ganze. Man sieht sie förmlich auf der vorderen Stuhlkante sitzen. Ihr Verdienst: Sie arbeiten die Vielstimmigkeit dieser Musik heraus. Im ersten Satz, das ist eine Entdeckung, gibt es auch einen Schubert-Moment. So ist die Programmzusammenstellung höchst stimmig. Zum 25. Geburtstag machten die Henschels nicht nur sich, sondern auch den Hörern ein Geschenk.
Schubert: Klavierquintett opus post. 114, „Forellenquintett“. Mendelssohn: Oktett op 20. Henschel Quartett und Diogenes Quartett. Solo Musica, Sony Music, 2019
