Daniel Barenboim über Florian Krumpöck: „ein wundervoller Pianist“

Wenn Florian Krumpöck auf Tournee geht, begleitet ihn ein Bösendorfer-Flügel, den ihm die traditionsreiche Klavierfirma auf Lebenszeit zur Verfügung gestellt hat. Wie es dazu kam, sei eine lange Geschichte, sagt der Pianist, aber sie habe begonnen, als er einen Firmenvertreter auf einer Party traf. Unter sehr vielen Flügeln hat sich Krumpöck das Exemplar ausgewählt, das ihm am meisten zusagte, einen Bösendorfer Imperial.

Zwei Jahre arbeiteten die Techniker an dem Instrument, bis es den Klangvorstellungen des Pianisten entsprach. Seine Mechanik ist leichtgängiger als bei vergleichbaren Modellen. So sind etwa die Oktaven von Beethovens „Waldstein-Sonate“ leicht und leise zu spielen. Dieser Flügel ist aus seinem Leben nicht mehr weg zu denken, auf ihm werden auch Krumpöcks CDs produziert. Das allein zeigt: Der Pianist Florian Krumpöck gibt sich nicht mit dem Gängigen zufrieden. Seine erstaunliche Karriere macht ihn für eine Klavierfirma attraktiv. Daniel Barenboim fasste sein Urteil über den jungen Mann in drei Worten zusammen: „ein wundervoller Pianist“.

Seit dem Vorspiel vor acht Jahren arbeiten die beiden zusammen, der weltberühmte Dirigent und Pianist und der Shooting-Star aus Österreich. Es gehe nicht um technische Details, sagt Krumpöck, sondern um die Struktur der Musik. „Barenboim ist sehr auf die Sache konzentriert.“ Bei ihm holt er sich wichtige Anregungen. Denn: „Als Pianist ist man nie fertig“. Auch ein Weltstar wie Lang Lang holt sich bei Barenboim Rat, wenn es um Beethoven geht!

Krumpöcks Vater war Cellist der Wiener Symphoniker, und auch der 1978 geborene Sohn hat eine Schwäche fürs Orchestrale, ob er nun am Klavier sitzt oder vor einem Orchester steht. Barenboim habe ihn ermuntert, auch zu dirigieren. „Manche fragen: Warum tust du dir das an? Das sind Leute, die gar nichts verstanden haben.“ Dirigieren sei etwas ganz anderes als Klavierspielen. Das eine befruchte aber das andere. In den letzten Jahren hat Krumpöck das Jerusalem Symphony Orchestra und das Philadelphia Orchestra geleitet, seit 2010 ist er Principal Guest Conductor der Seoul Classical Players.

„Ich mag mich nicht festlegen“, sagt Krumpöck. Das sieht man auch an seinem riesigen Repertoire, das von Bachs „Wohltemperierten Klavier“ bis zu neuster Musik reicht. Unkonventionell war auch das Programm, das er 2006 für sein Debüt bei den Salzburger Festspielen wählte, einem der Höhepunkte seiner bisherigen Karriere: Er stemmte gleich zwei Uraufführungen (von Wellesz und Korngold), präsentierte die fast unspielbaren Bach-Variationen von Reger und schloss Strawinsky „Petruschka“-Sätze und Skriabins h-moll-Fantasie an. Das zentrale Repertoire blendet Florian Krumpöck natürlich nicht aus. 2008 wagte er in Wien zwei Gesamtaufführungen von Beethovens 32 Klaviersonaten, verteilt auf je acht Abende. Dieser Sonatenzyklus ist für ihn ein staunenswerter „Kosmos“. „Es ist die revolutionärste Musik, die es je gegeben hat.“ 800 Seiten Noten hat Krumpöck analysiert und verinnerlicht. „Das war viel Arbeit.“

In Konzerten kombiniert Krumpöck gerne Beethovens revolutionäre „Appassionata“ mit Schlüsselwerken von Liszt und Rachmaninow. Am Ende eines Konzerts wird man Krumpöck vielleicht verstehen: „Der physische Kontakt zur Musik ist für mich lebensnotwendig.“

Dieses Porträt erschien zuerst im Januar 2010.

2023 kam bei Sony ein Chopinalbum von Florian Krumpöck heraus. Es wird demnächst auf dieser Seite vorgestellt.

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