Leidenschaft und Präzision: Das Quantum Clarinet Trio spielt Carl Frühling

Carl Frühling ist ein vergessener Komponist. Wenn man etwas von ihm kennt, dann das Klarinettentrio op. 40. Mit diesem aparten Werk beginnt das Debütalbum des Quantum Clarinet Trios. Frühling ist ein Spätromantiker. Harmonisch ist er nicht so avanciert wie ein Richard Strauss, der etwa gleich alt ist. Er kam vier Jahre vor Carl Frühling auf die Welt. Aber Frühlings Stil ist elegant und sehr ansprechend.

In Lemberg wurde er 1868, im Jahr der Meistersinger, geboren, als Sohn eines jüdischen Kaufmanns. Frühling wuchs in Wien auf, wo er auch studierte. Ab 1890 arbeitete er dort als freier Klavierlehrer. Er starb 1837 verarmt in der österreichischen Hauptstadt. Den Anschluss seiner Heimat ans Deutsche Reich erlebte er nicht mehr mit.

Wikipedia:
„Ein Großteil seiner Musik ist verloren gegangen oder muss noch entdeckt werden.“ Das viersätzige Werk dauert über 25 Minuten. Es ist, um es gleich zu sagen, eine Kostbarkeit. Schon am Anfang des Trios blüht die Klarinette auf. Der erste Satz ist vom Sehnsuchtston der Klarinette geprägt. Vollgriffige Akkorde des Klaviers begleiten sie. Brahms ist gar nicht so weit entfernt. Diese feine Komposition gewinnt bei jedem Hören. Bessere Anwälte hätte sie gar nicht finden können: Die drei jungen Musiker agieren mit Leidenschaft und Präzision. Im dritten Satz begegnet man einer einsamen Klarinette, die ganz auf Ausdruck setzt.

Das Hauptwerk der CD ist das späte Klarinettentrio op. 114 von Johannes Brahms. Versonnen setzt das Cello ein, die Klarinette spinnt den Gedanken fort.

Diese formidable Formation brilliert durch feines Spiel und Zusammenspiel, ohne Überheblichkeit, im Dienst der Werke. Das ist vorbildlich.

Carl Frühling: Trio op. 40. Johannes Brahms: Trio op. 114. Quantum Clarinet Trio. Hänssler CLASSIC, 2023.

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