Dieser Bach leuchtet. Rafal Blechacz hat ein ganzes facettenreiches CD-Programm dem Thomaskantor gewidmet, es beginnt mit dem „Italienischen Konzert“ und endet mit „Jesus bleibet meine Freude“, zwei Bachhits. Im Booklet kommt Blechacz selbst zu Wort: „Bach stand von Anfang an im Zentrum meiner pianistischen Entwicklung. Ursprünglich faszinierte mich eigentlich die Orgel, meine Kindheitserinnerungen sind eng mit dem Orgelklang in der Kirche verknüpft, ich wollte Organist werden. Und auch als klar wurde, dass das Klavier mein Instrument war, wollte ich unbedingt Bach spielen.“ Blechacz ist ein souveräner Bach-Interpret. Er spielt diesen Komponisten enorm nuanciert und arbeitet die Vielstimmigkeit heraus. Im Oktober 2005 gewann Blechacz den bedeutenden Chopin-Wettbewerb in Warschau. Zum ersten Mal in der Geschichte des Wettbewerbs wurde kein zweiter Preis vergeben, um den Abstand zur Konkurrenz deutlich zu machen. Die sechs Besten bekommen sonst einen Preis.
Sein Bachspiel besitzt große Lebendigkeit. Kernig beginnt das „Italienische Konzert“, der Anschlag wird immer stärker verfeinert. Das Finale spielt Blechacz rasant, kostet aber jede Note aus. In den Partiten eins und drei erhält jede Stimme ihr eigenes Profil. Die Partiten aus dem Jahr 1726 sind der erste Teil der „Clavier-Übung“, das „Italienische Konzert“ der zweite. Die Duette finden sich im dritten Den Abschluss, den vierten Teil, bilden die berühmten „Goldberg-Variationen“. Behutsam geht Blechacz die erste Partita in B-Dur an, mit hoher Klangkultur, aufgeweckt klingt der zweite Satz. Die abschließende virtuose Gigue besticht durch ein Höchstmaß an Klarheit.
Die Fuge in a-Moll BWV 944 spielt Blechacz in atemberaubendem Tempo und mit größter Präzision, aber nicht seelenlos, sondern quicklebendig.
Legendär ist Dinu Lipattis Version des Chorals „Jesus bleibet meine Freude“ in der Bearbeitung von Myra Hess, sein letztes aufgenommenes Werk. Blechacz spielt es ganz anders als Lipatti, aber nicht schlechter, sondern traumhaft sensibel. Damit endet Blechacz´ (ein)leuchtendes Bach-Porträt.
Johann Sebastian Bach: Italienisches Konzert, Partiten 1 und 3. Fantasie und Fuge a Moll BWV 944, Jesus bleibet meine Freude. Rafal Blechacz, Klavier. Deutsche Grammophon, 2017.
