Mona Asukas Liebe zu Schubert

Auf dieser CD verneigt sich die junge Pianistin Mona Asuka vor einem Meister des Liedes: Franz Schubert. Schon als Kind hat die heute 31-Jährige gerne dessen Gedichtvertonungen gehört: Sie ist überzeugt: „Bei keinen anderen Liedern harmonieren Musik und Text so perfekt.“ Bereits als junger Mann schuf Schubert genialische Lieder von einzigartiger Ausdruckskraft. Über 500 solcher Miniaturen hat er in seinem kurzen Leben komponiert. Das Lied hat in vielen Werken Spuren hinterlassen, etwa in den vier „Impromptus“ op. 90, mit denen das Programm der CD beginnt. Es folgen vier Liedbearbeitungen von Franz Liszt, der sich sehr für den verkannten Schubert einsetzte. Mona Asuka blieb nicht bei den Liedern stehen: „Mit den Jahren habe ich auch die anderen Werke von Schubert entdeckt und lieben gelernt. Es stecken so viele Emotionen in der Musik, und man entdeckt jedes Mal neue faszinierende Sachen zwischen den Zeilen.“

Ihr Anschlag in den „Impromptus“ ist direkt und unverblümt, Mona Asuka spielt nuanciert, aber nicht überempfindsam. Sie setzt auf klare Konturen. Im eröffnenden „Impromptu“ c-Moll hört man immer wieder eine Notenfolge, mit der Schubert später die Phrase „der Weg gehüllt in Schnee“ (Anfang der „Winterreise“) vertonen wird.

Im dritten „Impromptu“ leuchtet die Oberstimme , im vierten perlen die Sechzehntelfiguren. Auch wer diese Schubert-Werke gut kennt, wird noch Neues entdecken: etwa Motive in der linken Hand.

Mona Asuka ist ein Künstlername, sie lässt den Nachnamen Ott einfach weg, vielleicht auch, um sich von ihrer älteren Schwester abzusetzen, die Alice Sara Ott heißt und selbst eine Pianistin ist.

Beide Schwestern wurden vom Meisterpädagogen Karl-Heinz Kämmerling am Salzburger Mozarteum unterrichtet, Mona Asuka acht Jahre lang. Ab 2009 studierte sie dann bei Bernd Glemser an der Hochschule für Musik Würzburg. Es war wichtig, dass Glemser selbst ein sehr erfahrener Konzertpianist ist. „Durch ihn habe ich eine neue Anschlags- und Klangwelt erfahren.“ Sie weiß, dass sie ihn jederzeit kontaktieren kann, wenn sie Hilfe braucht

Wie kam sie zu ihrem Instrument? Die größere Schwester Alice Sara begann mit Klavierstunden. Da niemand auf Mona Asuka aufpassen konnte, nahm die Mutter sie einfach mit zum Unterricht. Asuka: „Ich habe schnell gemerkt, wenn meine Schwester am Klavier sitzt, hört ihr jeder zu. Da ich mit meinen zwei Jahren noch nicht reden und mich nicht ausdrücken konnte, nutzte ich die Gelegenheit, als meine Schwester auf die Toilette ging und kletterte auf den Klavierhocker. Plötzlich hatte ich die volle Aufmerksamkeit, und keiner hat mich mehr vom Stuhl gekriegt. So lernte ich, mich über die Musik auszudrücken. Von da an war es für mich klar: Ich werde Pianistin.“ Bis dahin war es noch ein weiter Weg. Es sei sehr wichtig, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. „Es reicht nicht, wenn man nur viel übt. Man muss seine eigene Identität finden.“

Das wichtigste Ereignis der letzten Jahre war die Pandemie. „2019 war ich noch sehr viel unterwegs: in Europa, Asien und zum ersten Mal in Australien, wo ich viele neue Säle kennenlernen durfte, und 2020 wäre es so weitergegangen.“ Die Corona-Pandemie machte alle Auftrittspläne zunichte. „Durch Corona mussten wir alle notgedrungen unseren Alltag verändern, und ich habe die konzertfreie Zeit genutzt, um mit meiner zweiten Leidenschaft – dem Backen- meine Rechnungen zu bezahlen. Mein Alltag 2020 bestand daraus, dass ich in Restaurants, Cafés und Kliniken Kuchen gebacken habe.“ Not macht erfinderisch.

Auf die Schubert-“Impromptus“ folgen auf der Oehms-CD vier Lieder. Franz Liszt bewies mehr Kunstverstand als Johann Wolfgang von Goethe. Letzterer sandte das Paket mit den Schubertvertonungen seiner Gedichte umgehend zurück. Liszt setzte sich für die Lieder Schuberts ein und transkribierte sie für Klavier solo. Damit sorgte er für ihre Popularisierung und Verbreitung. Der Anschlag der jungen Pianistin ist bei den Liedern etwas weicher. Ihr gelingt es immer wieder, Atmosphäre zu schaffen. Das „Ständchen“ ist eine Perle. Von zentraler Bedeutung für Schubert ist „Der Wanderer“. Auch ohne Text gehen diese Lieder nahe. Mona Asuka lässt sich auf diese wunderbaren Miniaturen ein. Schattierungsreich entwirft die junge Dame sie.

Diese Schubertbearbeitungen von Franz Liszt bilden die Brücke zum Abschlusswerk der CD: dem bilderreichen „Venezia e Napoli“ . Die drei Liszt-Sätze werden nicht gedonnert, sondern hingehaucht. Mona Asuka stellt ihre virtuosen Qualitäten unter Beweis.

Dass ihre ältere Schwester Alice Sara Ott selbst eine sehr erfolgreiche Pianistin ist (die Fachzeitschrift „Fono Forum“ kürte sie zur Nachwuchskünstlerin des Jahres 2007), stört Mona Asuka nicht. „Wenn ich Rat und Hilfe brauche, ist meine Schwester die erste Person, zu der ich gehe. Wir können uns gegenseitig in jeder Situation helfen, und das ist für mich das größte Geschenk.“

Mona Asuka: Schubert/Liszt. OEHMS Classics, 2017

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