Der Feuerwerker Boris Giltburg

Beim Internationalen Pianistenfestival in Böblingen sorgte Boris Giltburg für Aufsehen. Seine Klangkultur und Musikalität setzten in Erstaunen. Er war in den Böblinger Beethoven-Zyklus (der mitgeschnitten und auf CD veröffentlicht wurde) eingebunden. Etwas später gewann er den renommierten Reine Elisabeth Wettbewerb in Brüssel, wobei ihm auch der Publikumspreis zugesprochen wurde, das war im Juni 2013.

Geboren wurde Giltburg 1984 in Moskau. Die Mutter war seine erste Lehrerin. Anfang der 90er Jahre wanderte die Familie nach Israel aus, wo Giltburg dann den Unterricht bei Arie Vardi aufnahm. Früh erspielte er sich diverse Auszeichnungen.

Einige Jahre nach dem Wettbewerbserfolg in Brüssel hat der israelische Pianist sich eines der großen Klavierkonzerte der Musikgeschichte vorgenommen, es ist auch eines der schönsten, vor allem wegen des Hauptthemas des ersten Satzes, das aus der russischen Kirchenmusik zu stammen scheint: das dritte Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow.

Der Russe, einer der bedeutendsten Pianisten seiner Zeit, nannte dieses Klavierkonzert sein „Elefantenkonzert“, wegen der Länge und der technischen Schwierigkeiten. Selbst für einen Pianisten von Rachmaninows Format war das dritte Klavierkonzert eine Herausforderung. 1910 führte er es mit Gustav Mahler am Dirigentenpult auf und war begeistert von dessen Detailarbeit.

Giltburgs besonderer Klang, seine geschmeidige, unfehlbare Technik kommen bei diesem Klavierkonzert immer wieder zur Geltung. Auch für Giltburg ist jedes Detail wichtig. Außerdem findet er eine Fülle von Farben für dieses komplexe Werk. Noch die heikelsten Passagen klingen unangestrengt. Wenn das Hauptthema am Ende des ersten Satzes zum letzten Mal erscheint, klingt es ganz zurückgenommen, wie eine Erinnerung. Das ist einer von vielen sensibel gestalteten Momenten. Für den langsamen Satz findet er satte Töne, die er aber auch schweben lassen kann. Im Finale gewinnt er dem Flügel orchestrale Klänge ab. Dieser junge Interpret ist ein abgeklärter Musiker. Ihm zur Seite steht ein mehr als solider Klangkörper, das Royal Scottish National Orchestra, aufmerksam geleitet vom mexikanischen Dirigenten Carlos Miguel Prieto.

Die „Corelli-Variationen“ sind nicht ganz so schwierig wie das kolossale dritte Klavierkonzert. Das Thema der „Corelli-Variationen“ stammt nicht von Corelli. Es ist die Melodie eines bekannten spanisch-portugiesischen Tanzes. Sein Name: „La Folia“ (deutsch: „Die Wahnsinnige“). Erstaunlich, welche Facetten Rachmaninow diesem prägnanten Thema abzugewinnen weiß.

In den „Corelli-Variationen“ erweist sich Giltburg endgültig als Feuerwerker: die Farben sprühen nur so. Es ist eine Freude, ihm zuzuhören.

Sergej Rachmaninow: Klavierkonzert Nr. 3. „Corelli-Variationen“. Carlos Miguel Prieto, Royal Scottish National Orchestra, Boris Giltburg. Naxos, 2018.

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