Alles dreht sich um den Tanz – Eine CD der „Echoes of Swing“

Viele Jazzformationen glänzen durch Spielfreude, aber die „Echoes of Swing“ treiben sie auf die Spitze. Fast müsste man von „Spielbesessenheit“ sprechen. Die CD aus dem Jahr 2015 mit dem Titel „Dancing“ kann einen Eindruck davon vermitteln. Die Vier spielen sich förmlich in einen Rausch.

Es ist eine ungewöhnliche Kombination: Altsaxophon, Trompete, Schlagzeug und Klavier finden zu einer farbigen Einheit zusammen. Der Klang, der dabei entsteht, ist höchst attraktiv.

Die „Echoes Of Swing“, 1998 gegründet, haben sich viele Preise erspielt, so wurden sie auf die Bestenliste des Preises der deutschen Schallplattenkritik gewählt. Es gibt nicht viele Jazz-Quartette, die so viel Auszeichnungen gesammelt haben. Seit 2014 sind sie bei dem renommierten Jazzlabel ACT unter Vertrag. Ihre erste CD bei ACT, „Blue Pepper“, war ein großer Erfolg.

In dem neuen Album dreht sich alles um den Tanz. Sehr viele Swing-Stücke behandeln ihn, etwa „Dream Dancing“ von Cole Porter. Im Booklet heißt es: „Es wird heute oft übersehen, dass der frühe Jazz vor allem Tanzmusik war.“ Am Anfang standen Ragtime und Charleston. Eine große Vielfalt jazziger Tänze breiten die „Echoes“ aus.

Es ist eine lebendige CD, mit geschliffenem, vitalem, ideal ausbalanciertem Spiel von Anfang an. Stilvoll und geistreich, mit modernster Virtuosität widmen sich die vier Jazzer dem guten alten Swing. Drei der Musiker steuern Eigenkompositionen bei. So stammt das erste Stück der CD („Hipsters Hop“) aus der Feder des Altsaxophonisten Chris Hopkins (der übrigens auch ein fähiger Pianist ist). Mit hohen Bläsern beginnt es. Schnell stimmen sie ein gut gelauntes, elegantes Thema an. Eingängig-geschmeidige Musik ist das.

Das zweite Stück kommt aus einer anderen Welt. Es stammt von Johann Sebastian Bach. Es ist ja längst bekannt, dass Bach sich für Jazz sehr eignet, weil er ein universeller Komponist war. Unzählige Jazzer bearbeiten Bach für ihre Zwecke oder improvisieren über ihn.

Man hört die „Gavotte“ aus der sechsten Englischen Suite in einer getragenen, vielstimmigen Jazzversion.

Das Stück „Sandancer“ hat Colin T. Dawson, der smarte Trompeter des Quartetts, geschaffen. Mit seiner sanften, gehauchten Stimme bereichert er den Ensembleklang.

Bernd Lhotzky ist ein Tausendsassa am Klavier, ein Meister des Stride Pianos, der ungeheuer leichthändig musiziert. Das sechste Stück der CD, „Lion´s step“, stammt von ihm, gewidmet ist es Willie „the Lion“ Smith. Smith war ein wichtiger Vertreter des Harlem Stride Pianos. Er verband Ragtime mit Impressionismus. Von ihm lässt sich Lhotzky inspirieren. Lhotzky ist ein unbeschwert swingender Pianist, für den nichts zu schwer ist. Bei einem Konzert (im Gewölbekeller von Schloss Deufringen) präsentierte er sogar eine Swing-Version einer Chopin-Etüde (Nr. 9 aus Opus 25).

Alle Arrangements der CD haben die Mitglieder des Quartetts besorgt. Ihr Spiel strahlt Freude aus.

Echoes Of Swing: Dancing. Colin T. Dawson (tp/voc), Chris Hopkins (as), Bernd Lhotzky (p ) und Oliver Mewes (dm), ACT 2015

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